Kufsteinerland

Festung Kufstein: 800 Jahre auf dem Buckel und immer noch bühnenreif

Einer der schönsten Plätze Österreichs 2026 liegt hoch über Kufstein. Warum sich ein Besuch lohnt und was Kaiser Maximilian, Wanda und eine Orgel mit 4.948 Pfeifen miteinander zu tun haben.

Wer auf der Inntalautobahn von München aus Richtung Innsbruck fährt oder mit dem Zug über Kufstein reist, kennt diesen Anblick: Hoch über dem Inn thront die mächtige Festung, ihre Türme und Mauern weithin sichtbar. Ein kurzer Blick aus dem Fenster, vielleicht ein Gedanke an vergangene Zeiten – und schon geht die Reise weiter. Dabei lohnt es sich, hier einmal auszusteigen. Denn hinter den alten Mauern steckt weit mehr, als die Silhouette vermuten lässt. Die Festung Kufstein zählt 2026 zu den neun schönsten Plätzen Österreichs, die im Rahmen der ORF-Sendung „9 Plätze – 9 Schätze“ ausgezeichnet wurden – eine besondere Anerkennung für das geschichtsträchtige Wahrzeichen hoch über dem Inn. Ein guter Anlass, einen Ort zu entdecken, der nach einem langen Dornröschenschlaf heute zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Tirols zählt.

Von Kaisern, Kanonen und einem ungewöhnlichen Brautgeschenk

Die Geschichte der Festung reicht mehr als 800 Jahre zurück. Bereits 1205 erstmals urkundlich erwähnt, war sie über Jahrhunderte ein strategisch wichtiger Grenzposten zwischen Bayern und Tirol. Ihre Besitzverhältnisse wechselten mehrfach – und nicht immer ging es dabei kriegerisch zu. Im 14. Jahrhundert wurde die Festung sogar zum Brautgeschenk für die Tiroler Herzogin Margarete „Maultasch“.
Weniger romantisch ging es 1504 zu, als Kaiser Maximilian I. die Festung eroberte und anschließend zu einer mächtigen Wehranlage ausbauen ließ. Der imposante Kaiserturm erinnert bis heute an diese Zeit. Später diente die Festung auch als Staatsgefängnis. Nach dem Ersten Weltkrieg trennte sich die Republik Österreich schließlich von dem historischen Bauwerk: Die Stadt Kufstein erwarb die Festung im Tausch gegen mehrere Hektar Wald. Seit 1924 befindet sie sich in städtischem Besitz.


24.000 Quadratmeter Geschichte – und ein zweites Leben

Lange Zeit blieb es ruhig hinter den mächtigen Mauern. Erst Anfang der 1990er-Jahre begann eine umfassende Revitalisierung, mit der die Festung Schritt für Schritt aus ihrem Dornröschenschlaf geholt wurde. Historische Bausubstanz wurde erhalten, die Anlage touristisch erschlossen und neue Nutzungsmöglichkeiten entwickelt. Heute besuchen jährlich rund 180.000 Menschen die Festung Kufstein. Damit zählt sie zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Tirols und zu den bedeutenden Ausflugszielen im Tiroler Unterland.

Wer die Festung erkundet, hat dafür reichlich Platz: Rund 24.000 Quadratmeter umfasst das historische Areal auf dem Felsen gute 90 Meter über der Stadt. Auf einem individuellen Rundgang führen 21 Stationen durch die Anlage. Vorbei an mächtigen Befestigungsmauern geht es zu Ausstellungen und historischen Schauplätzen. Ein Blick in den rund 60 Meter tiefen Frischwasserbrunnen gehört ebenso dazu wie die Erkundung des rätselhaften unterirdischen Felsenganges.
Zum Glück ist der Aufstieg heute weniger beschwerlich als zu Maximilians Zeiten. Die Panoramabahn bringt Besucher bequem hinauf auf die Festung. Oben öffnet sich der Blick über die Dächer der Altstadt, den Inn und die umliegende Bergwelt. Und plötzlich wird klar, warum dieser Platz über Jahrhunderte so begehrt war: Wer hier oben stand, hatte das ganze Inntal im Blick.


Wo früher Kanonen donnerten, spielt heute die Musik

Einen entscheidenden Schritt vom historischen Denkmal zur modernen Veranstaltungsstätte machte die Festung mit der Errichtung einer mobilen Überdachung für die Josefsburg mit ihren Kasematten. Seither ist die Festungsarena weitgehend wetterunabhängig bespielbar und hat sich zu einer gefragten Eventlocation in Österreich für bis zu 4.200 Konzertbesuchende entwickelt. Wo einst Soldaten Wache hielten, stehen heute internationale und österreichische Musikgrößen auf der Bühne.

Von Austropop und Rock über elektronische Klänge und Klassik-Crossover bis hin zu großen Musicalproduktionen reicht das Programm, das die Festungsarena Jahr für Jahr mit Leben füllt. Doch die Festung kann auch anders: Beim Ritter-Fest am Pfingstwochenende erwacht das mittelalterliche Leben mit historischen Darstellungen und Handwerk zu neuem Leben. Firmenveranstaltungen, Tagungen, private Feiern und Yoga-Sessions finden ebenso ihren Platz hinter den alten Mauern. Und wer sich hier das Ja-Wort gibt, schreibt ein ganz persönliches Kapitel Festungsgeschichte.


Ein Instrument, das eine ganze Stadt erreicht

Man muss nicht einmal auf der Festung sein, um einen ihrer bekanntesten Klänge zu erleben. Jeden Mittag um 12 Uhr erklingt die Heldenorgel, deren Musik weit über die Stadt – manchmal bis zur bayerischen Grenze hinaus - zu hören ist. Mit ihren 4.948 Pfeifen gilt sie als zweitgrößte Freiorgel der Welt. Errichtet wurde sie 1931 als klingendes Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, heute erinnert sie an die Opfer von Krieg und Gewalt.

Wenn die ersten Töne des täglichen Konzerts über die Dächer Kufsteins ziehen, halten manche Menschen kurz inne. Andere kennen den Klang seit ihrer Kindheit. Für Reisende ist er vielleicht eine unerwartete Begegnung mit einer Stadt, in der Musik zum Alltag gehört.

Wenn der Advent in die historischen Mauern einzieht
Nach dem langen Konzertsommer zeigt sich die Festung von einer ganz anderen Seite. Über 300 Tannen, handgebundene Kränze und Girlanden aus duftendem Tannengrün verwandeln die Josefsburg und die historischen Kasematten in eine vorweihnachtliche Welt. Unzählige Laternen und echte Kerzen tauchen die alten Mauern in warmes Licht, während sich der Duft von Glühwein und Tiroler Köstlichkeiten verbreitet. Traditionelle Weisenbläser und Anklöpfler sorgen mit überlieferten Melodien für besinnliche Momente. In den Kasematten zeigen regionale Kunsthandwerker ihr Können, Kinder werkeln in der Weihnachtswerkstube und schicken ihre Wünsche vom Engerlpostamt auf die Reise. So wird aus der einst wehrhaften Festung im Advent ein Ort voller Wärme und gelebter Tradition. Zu erleben am 28./29. November, 5./6., 12./13. und 19./20. Dezember 2026, jeweils 11 - 19 Uhr.


Unten wartet noch eine ganze Stadt

Wer von der Festung wieder hinunterkommt, steht mitten in Kufstein. Die Altstadt mit ihren schmalen Gassen, kleinen Geschäften und Cafés liegt nur wenige Schritte entfernt. Der Inn zieht sich durch die Stadt, dahinter beginnt die Bergwelt des Kufsteinerlands. Kultur und Natur liegen hier so nah beieinander, dass sich ein Besuch der Festung gut mit einem Stadtbummel, einer Wanderung oder einem längeren Aufenthalt in der Region verbinden lässt.

Vielleicht ist das die eigentliche Überraschung diesem schönen Platz: Die Festung Kufstein hat nicht nur 800 Jahre Geschichte hinter sich, sondern auch eine bemerkenswerte Verwandlung. Aus einem einst umkämpften Bollwerk ist ein Ort geworden, an dem jährlich Hunderttausende Eindrücke sammeln, Musik erleben, feiern und Geschichte entdecken.

Und wer das nächste Mal auf der Autobahn oder mit dem Zug an Kufstein vorbeikommt, könnte sich fragen: Warum eigentlich nicht einmal aussteigen?


Pressefoto: Veröffentlichung für redaktionelle Zwecke kostenlos bei Angabe der Bildquelle. Weitere Bilder auf Anfrage.

Bild 1: So kennt man sie – die Festung Kufstein. Das Wahrzeichen ist von der Bahntrasse und Inntalautobahn beim Vorbeifahren weithin sichtbar. Da wird es Zeit, einmal anzuhalten. © Kufsteinerland/Johannes Scheffold
Bild 2: Hoch hinauf zur Festung gelangt man entweder barrierefrei mit der Panoramabahn oder über mehr als 300 überdachte Treppenstufen © Kufsteinerland/Thorben Jureczko
Bild 3: Internationale Künstler:innen und österreichische Größen bevölkern im Sommer die Konzertbühne auf der Festung Kufstein – Open-Air-Feeling mit Witterungsschutz. © Kufsteinerland/Johannes Scheffold
Bild 4: Seit 1931 wird täglich um 12 Uhr ein kurzes Konzert mit mehreren Musikstücken - u.a. von Cheforganist Johannes Berger - gespielt. © Kufsteinerland/Maximilian Dhom
Bild 5: Das Heimatmuseum birgt zahlreiche Schätze – von Schützenscheiben über Zunftabzeichen, von Höhlenbären über Tiroler Traditionen © Kufsteinerland/Thorben Jureczko
Bild 6: Zahlreiche Stollen und Felsengänge durchziehen den Festungsberg weitläufig – einige sind nur durch Führungen erlebbar, durch andere kann täglich spaziert werden. © Kufsteinerland/Thorben Jureczko

Pressekontakt Tourismusverband Kufsteinerland

Stefanie Dabrowski
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